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Mitten im Sommer

Mitten im Sommer

I

strassen schienen nicht zu enden. an ihren pochenden rändern entlang wechselten bäume und felder, zwischen den klängen verebbten die gedanken hin und wieder. dann schautest du in die ferne. alles schien weiter zu sein, überschaubarer. stoisch schauten die blauen augen der bergkämme ins gehende licht. flaggen läuteten im wind, finger strichen gegen den bogen aus haar. du wusstest nicht, wie dein leben weitergehen würde. aber du wusstest, dass es weitergehen würde.

II

der vorbeieilende fluss trug die narben von windsplittern auf der haut. seit tagen schnitten sie die felder blank, still lagen garben aus sonnengebranntem licht im vergehen. schattenloses vergehen wechselte mit verblichenen graswunden. an den schienen aus wasser reiften brombeeren langsam ins dunkel. du träumtest von ihrem geschmack, verfeinert auf frisch gebackenem brot. seit tagen schnitten sie mit ihren lauten maschinen kerben in deine stille, bis spät in die nacht belagerten sie die winddunkle ruhe.

III

langsam wehte der sommer durch die verwinkelten strassen. frauen trugen selbstbewusstsein auf ihren lippen. sie dankten dem tag durch ihr sein. mitten im geschäftigen treiben der händler konntest du alles vergessen in einem gespräch. dann verströmte sich das lachen wie ein ungebändigter fluss zwischen den worten, entspannte die augen, die sich an den tag gewöhnten, befreit von bildschirmen und zahlengetriebenen statistiken. dann verströmten sich sonnenhände, streichelten die haut, dem sommer zugewandt, befreit von stoff und geschichten. am abend leuchteten die bäume in der ferne blau.

© Hermann Josef Schmitz

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