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Ausschnitt des Interviews zwischen Werner Reuß (BR-alpha) und Angelika und Rollo Gebhard:

[inspic=215,right]Reuß:
Sie haben auf Ihren Reisen ja auch häufig Aussteiger getroffen. Einmal haben Sie einen Menschen getroffen, der seit Jahren auf einem Atoll in der Südsee lebte: Tom Neal. In einer Zeitung werden Sie mit den Worten zitiert: „Tom Neal hat meinen Einsamkeitsdrang bestärkt.“ Lieben Sie die Einsamkeit?
R. Gebhard:
Ich liebe die Einsamkeit, und ich würde fast sagen, ich brauche sie: aber nur zeitweise. Das, was Tom Neal gemacht hat, nämlich 25 Jahre lang auf einer kleinen Insel zu leben, das wäre nicht mein „Film“. Aber ich habe mit praktisch allen Aussteigern, die ich getroffen habe, die Erfahrung gemacht, dass sie samt und sonders nicht glücklich geworden sind. Ich kann daher nur davor warnen. Man kann äußerlich aus seiner Umgebung herauskommen, aber innerlich nicht. Man bleibt immer derselbe. Man bringt seine Sorgen immer mit. Gerade bei Tom Neal habe ich das auch sehr stark erlebt. Ich habe ihn ja zweimal besucht: auf der ersten Weltumsegelung und dann acht Jahre später noch einmal bei der zweiten Weltumsegelung – und damit ein halbes Jahr vor seinem Tod, den er wohl schon irgendwie in sich gespürt hatte. Ich kannte ihn ja vom ersten Besuch her, und ich bin auch sehr stolz darauf, sagen zu können, dass ich zu den drei oder vier Freunden gehöre, die er überhaupt auf der ganzen Welt besessen hat. Er hat mir sogar einmal nach Deutschland geschrieben: Das war eine ungeheure Sache für ihn. Weil ich ihn also so gut kannte, habe ich ihm auch direkte Fragen stellen können. Zum Schluss habe ich ihm die ganz knallharte Frage gestellt: „Tom, würdest du das alles noch einmal machen?“ Er hat mich groß angesehen, nachgedacht und dann gesagt: „No!“

Reuß:
Das ist auch eine sehr individuelle Entscheidung. Man hat den Eindruck, dass Sie sehr umtriebig waren und sind. Sind Sie auch immer ein bisschen auf der Suche nach der Freiheit? Und wenn ja, wie würden Sie denn die maximale Freiheit für sich definieren?
R. Gebhard:
Ja, ich habe natürlich auch darüber sehr viel nachgedacht. „Freiheit“ ist ein schwieriges Thema: Es ist vielleicht das schwierigste Thema überhaupt, das wir auf der Welt haben. Denn es betrifft uns ja in unserem Innersten, in unserem Wesentlichsten. Vielleicht ist es der Sinn des Sammelns von Erfahrungen, dass man die eigene Freiheit gewinnt. Diese Freiheit besteht in meinen Augen nur darin und kann nur darin besteht, dass man sich selbst von allen Dingen auf dieser Welt frei macht: Man kann die Freiheit weder erkaufen, noch geschenkt bekommen. Die primitivste Form der Freiheit habe ich ja überall in den Entwicklungsländern erlebt: Für die Menschen dort besteht Freiheit ganz schlicht darin, dass sie mit der Arbeit aufhören können – und ihnen jemand anderes das notwendige Geld gibt, um weiterleben zu können –, denn dann sind sie frei. So einfach ist das aber selbstverständlich nicht. Diese ganzen Aussteiger haben natürlich im Hinterkopf schon auch immer den Gedanken: „Ich gehe hinaus auf eine Insel in der Südsee, die dann mir alleine gehört oder von der dann ein guter Teil mir gehört, und dann bin ich frei.“ Nein, sie schleppen alle ihre Sorgen und Nöte und ihre charakterlichen Mängel, wenn man so will, mit. Im Grunde genommen ändert sich durch das Aussteigen nämlich gar nichts.

Rollo Gebhard – Logbuch eines Lebens

Das gesamte Interview zum Nachlesen…

One Response to “BR-alpha: Interview mit Rollo Gebhard (Weltumsegler)”

  1. Tolle Beiträge und Meinungen

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