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Die Wilde Jagd

Schließt eure Türen, den Balken legt vor,
auf Frauen und Kinder gebt acht,
verwahrt das Feuer und geht nicht ans Tor:
Die Wilde Jagd reitet heut nacht!

Es stürmt der Toten wütendes Heer
den Winterwinden voran,
es prescht durchs dunkle Wolkenmeer:
Die Wilde Jagd fängt an.

Sturmwind heult und Schreie gellen,
schrill pfeift´s überm Haus,
Rosse schnauben, Hunde bellen –
geh jetzt nicht hinaus!

Graue Reiter, alte Krieger
mit Waffen voll Blut und Rost,
längst vergangner Kämpfe Sieger
reiten durch Schnee und Frost.

Zerstörung bringt ihr wilder Ritt,
manch Baum und Mauer fällt;
sie fegen die Felder leer, damit
dort Neues Platz erhält.

Alles Alte vernichtet ihr Zorn,
doch Segen folgt ihnen nach:
Fürs nächste Jahr sie streuen Korn
auf Felder, die jetzt noch brach.

Einen seh ich, der führt sie an,
sein Mantel ist dunkel wie Nacht;
ein Auge glüht unterm breiten Hut,
den Eschenspeer schwingt er mit Macht.

Das ist der Grimmige – nenne ihn nicht,
wer ihn ruft, hat sein Schicksal gewählt:
Die zu ihm gehören, die holt er zu sich,
die reiten ans Ende der Welt.

Zaudernd steh ich, fast reißt es mich mit,
doch dann ist vorüber die Schar.
Stille kehrt ein, die Jagd ist vorbei,
vielleicht, bis zum nächsten Jahr…

2 Responses to “Die Wilde Jagd”

  1. Udo Kaube sagt:

    Nicht schlecht – der Text zeugt von Sprachgefühl und einem Sinn für germanische Mythologie !

  2. Danke, das Lob freut mich sehr :-)!! Ja, germanische Mythologie ist mein hauptsächliches Thema, dem ich auch meine Webseite gewidmet habe.

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