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die bäume

die inneren bäume wandern hinaus in den wald,
den wald, der all diese tage leer stand,
worin kein vogel sitzen,
kein insekt sich verstecken;
keine sonne ihre füsse im schatten vergraben konnte,
der wald, der all diese nächte leer stand,
wird bis zum morgen voller bäume sein.

die ganze nacht mühen sich die wurzeln,
um sich zu befreien aus den rissen
im boden der veranda.
die blätter strecken sich richtung fensterglas,
kleine zweige, starr vor anstrengung,
lange, verkrampfte äste, die unterm dach scharren
wie frisch entlassene patienten,
die halb benommen
zu den krankenhaustüren schlurfen.

ich sitze drinnen, die türen zur veranda offen,
und schreibe lange briefe,
in denen ich den abschied des waldes
vom haus kaum erwähne.
die nacht ist jung, der ganze mond leuchtet
im noch geöffneten himmel,
der duft von laub und von flechten
dringt noch wie eine stimme in die zimmer.
mein kopf ist voller geflüster,
das morgen schweigen wird.

horch. das glas zerbirst.
die bäume straucheln vorwärts
in die nacht. winde stürmen dahin, wollen sie treffen.
der mond ist zerborsten wie ein spiegel,
seine bruchstücke zucken nun im
wipfel der höchsten eiche.

adrienne rich

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