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Der eine Baum

Ich sah einen Baum
Der gar nicht einer war
Sondern zwei, die zu einem wurden

Zwei Bäume, Zwei Wurzelstöcke
Deutlich geschieden und doch
durch die Wurzeln untrennbar verflochten

Zwei Stämme so nah aneinander
Dass sie nichts anderes konnten
Als nur zusammenwachsen

Aber
Nicht über Nacht geschah dies
Nicht auf einmal wurden beide eins

Sie standen so nah aneinander, dass
Wenn immer der Wind sie bewegte
Sie sich berührten

Sie schürften sich gegenseitig die Rinde auf
Und taten sich weh
Das harzige Blut floss

Doch gab keiner von ihnen nach
Keiner wurde gefällt
oder an einen anderen Ort verpflanzt

Als sie sich lange genug verwundet hatten
Waren sie so hoch und breit gewachsen
Dass zwischen ihnen kein freier Raum mehr war

Wunde an Wunde standen sie
Die Wunden gegenseitig verschlossen
Geheilt indem sie sich verbanden

Stamm in Stamm
Nicht mehr zwei
Sondern ein starker Baum



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