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Der Unfall

In dem Augenblick, in dem er spürte, wie der Vorderreifen die Straßenhaftung verlor, sah er die Sandspur auf dem trockenen Asphalt.
Wie glühendes Blei ergoss sich der Schrecken, von seinem Nacken ausgehend, gleichmäßig in seinen gesamten Körper.
Seltsam gefasst aber registrierte er, wie sein Motorrad die Leitplanke touchierte und ihn der Aufprall aus dem Sattel katapultierte.
Er vernahm zwar einen dumpfen Schmerz an seinem rechten Bein, fühlte sich aber gleichzeitig eigenartig frei und leicht.
Das Gras in dem Straßengraben unter ihm leuchtete zart und weich in der lauen Abendsonne.
Er roch das klare Wasser des sich hinter den dunklen Bäumen dahin ziehenden Baches.
Die Luft, die er in diesem Augenblick in seine Lungen sog, schmeckte nach Sommer und Leben.
Niemals zuvor war ihm dieses Leben so begehrenswert, kostbar und stimmig erschienen als jetzt, da es unerwartet schnell zu Ende ging.
Es war, als hätte er mit dem Aufprall an der Fahrbahnbegrenzung endlich die dünne Folie durchstoßen, in die er sein ganzes bisheriges Leben gewickelt war.
In dem Sekundenbruchteil, in dem er spürte, wie er mit seiner Wirbelsäule auf dem mit bunten Flechten bewachsenen Felsen aufschlug, riss ihn der Radiowecker aus dem Schlaf.
Es lief Phil Collins.

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