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Arbeit. Büro. Eile. Vertrauenswürdig war er schon, was für ihn sprach. Dies sprach immer für ihn (für jedermann wohl), trug bisher auch zu seiner Beliebtheit im Kollegenkreis bei. Er wollte das nicht so recht wahrhaben, denn er hielt viel mehr auf seine Leistungsfähigkeit. Gegen das Vertrauen, das man ihm täglich entgegen brachte, wusste er aber nichts einzuwenden, da es in seinen Augen zur erfolgreichen Ausübung seines Jobs gehörte. Leistung war hier ohne eine gute Vertrauensbasis kaum möglich. Aber: Die Kollegen sollten ihn persönlich nicht mögen. Es war ihm geradezu lästig, dieses Mögen, wenn er es auch nicht offen zeigte. Das zu zeigen war ein Ding der Unmöglichkeit. Ein gewisses Ausmaß an Heuchelei gehört allerorten bis heute zur Kollegialität, was er im Grunde schon damals recht bedauerlich fand.

Eine Kollegin war für ihn ziemlich anstrengend geworden. Sie sei seiner nicht würdig, dachte sie andauernd, wie sie ihm auch hinten herum mitteilen ließ. Er fand das … nun ja, es war am Arbeitsplatz ziemlich deplatziert. Was wollte sie?
Einmal guckte sie ihn ganz fasziniert an, so dass er wegschauen musste, denn der Druck war allzu groß. Er vergrub sich in seiner Arbeit. Die Bürolampe leuchtete bis in den späten Abend hinein. Er aß im Büro. Denn sie war schließlich nicht mehr anwesend. Und sie? Sie vergrub sich liebevoll in seinem Haarschopf, wie sie imaginierte, um es kurz darauf einer Freundin am Arbeitsplatz mitzuteilen. Und späterhin die kursierenden Trennungsgerüchte dementierte, die sie selbst in der Firma in Umlauf gebracht hatte.

Als er an einem der folgenden Morgen an seinem Schreibtisch saß, sah er eine einzelne Rose in einer schmalen grauen Vase, die ihn so abstieß, dass er sie nahm und mitten in das Großraumbüro warf. Ein Kollege schaute milde lächelnd auf. Eine der Botinnen warf auf ihn einen missbilligenden Blick. Doch er wollte partout nicht die Nerven verlieren. Er konzentrierte sich auf eine Sachbearbeitung.

Die Gerüchte über ihre Trennung (Welche Trennung? Sie war ihm privat völlig fremd!), all die ekligen Gerüchte, die sie beide nunmehr umgaben und bei den anderen zu etwas befremdenden Verhaltensweisen führten waren nahezu unerträglich. Das waren Gerüchte, die ihn, den fähigen und engagierten Büro-Sachbearbeiter geistig mehr und mehr von der Arbeit ablenkten.
Er hielt es noch aus. Aber wie lange noch? – Liebe? Es gab sie, jedoch nicht bei ihm, Hans E. Doppler, dessen berufliches und privates Schicksal von seiner Kollegin M. gefährdet wurde.

Kay Ganahl
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