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Der Duft

Der Duft ist die Stimme der stummen Dinge. Die Luft ist voll von den Rufen der Blätter und Gräser, die leiser sind als die der Blumen. Manchmal springen einen an Stellen, wo keine Blumen wachsen, wie kleine Kobolde allerlei Düfte an – nach Weizen und Tannenzapfen, feuchter Erde und Pilzen, würzigen Gräsern und Farn. Selbst Felsgestein strömt bei warmem Wetter einen eigenartigen Geruch aus, der zusammen mit dem Duft trockener Kräuter einen feinen Kontrast zu dem lieblichen Aroma des Stechginsters bildet. In einem Regenguß überfallen uns lachend unerwartete Wohlgerüche, überwältigen uns und nehmen uns gefangen. An tau-feuchten Sommerabenden verbünden sich Klee und Levkojen mit dem nimmermüden Geißblatt, dringen in den Garten ein und nehmen das träumende Haus in Besitz.

Mary Webb

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