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Asiatisches Denken

Der allumfassende Begriff der asiatischen Philosophie ist Harmonie. Das Verhalten des Bambus im Wind, sein graziöses Sichbeugen, mag westlichen Augen wie unterwürfige Ergebenheit erscheinen; der Asiate sieht darin die einzige Möglichkeit, Sieger zu bleiben. Im Taoismus ist das Symbol der Stärke das Wasser, das sich der Form aller Dinge anpaßt, sich aber letztlich seinen Weg selbst durch Granit gräbt. Jiu-Jitsu, die „sanfte Kunst“, ist die Technik, einen Angreifer durch dessen eigene Kraft zu besiegen.

Die westliche Vorstellungswelt ist reich an Konflikten mit den Elementen. Der Mensch unterwirft sich die Natur, zähmt die Wildnis, erobert den Weltraum. Die östliche Denkweise schafft einen Ausgleich mit der Natur und bezieht selbst deren düstere Seiten darin ein. Die indische Muttergöttin, die Spenderin des Lebens, ist zugleich die schwarze, grausige Kali, die Tod und Verderben bringt. Der westliche Mensch trennt Gut und Böse und glaubt, daß das Böse besiegt werden kann – Sankt Georg tötet den Drachen, die Heilige Jungfrau zertritt die Schlange unter ihrer Ferse. Die Hindus verehren die Schlange als das Symbol der gesamten Natur, der liebenswerten wie der scheußlichen. Asiaten können sich normalerweise vorstellen, daß ein Ding gleichzeitig gut und schlecht, recht und unrecht, schwarz und weiß sein kann – etwas, was den westlichen, logisch geschulten Menschen mit seinem Entweder-Oder-Denken zur Verzweiflung bringt.

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