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Ataraxia

I

Auf der fast unberührten Haut des Kanals brach sich das Licht an der Biegung des Ufers. Hier verkantete sich die Strömung und zeichnete der Haut winzige Falten. Augenblickspäter legten sich die zerbrochenen Sterne wieder zusammen. Dein Atem ging langsam, Schritte knirschten auf entblösstem Schnee. Am Fluss nebenan glättete das Wasser die Schrunden der Steine.

II

Der Blick auf das Licht der Tage und Nächte war zu oft verloren gegangen. Menschen trieben wie von fremder Hand geführt durch Strassen. Schaufenster erpressten mit schreienden Worten und übertriebenen Farben. Es gab alles, was man kaum benötigte. Lauter, schneller, bewegter waren vor allem die Tage, die Stille begehrten. Im Vergehen des Lichtes ersehnten sie in gewärmten Schweigeräumen den Blick durch dunkle Fensterkreuze hinaus in den ungebrochenen Schnee. Klanglos wolltest du durch deine Gedanken streunen, einzig den Geruch von Zimt auf vertrauter Haut und gehaucht das entflochtene Wort.

III

Das Jahr hatte seine letzten Tagesreisen angetreten, im Klang deiner Stimme lag die Freude auf brennende Kerzen und stille Besinnungen. Es war an der Zeit, den Verpflichtungen nicht nachzukommen und die Kräfte neu auszurichten. Du fülltest die Räume zwischen den Schattenstäben mit Licht und legtest Schnee in die Hautrillen draussen auf den kahlen Feldern. Gebrochene Äste klafften ins Blau, vergehend und doch unvergänglich in ihrem Stolz. Am geborgenen Fenster lagen Worte aus Zuneigung und Heimkehr. Es war an der Zeit, Türen zu schliessen, Lichter anzuzünden und wieder bei Dir zu sein.

© Hermann Josef Schmitz

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